Los geht es mit Henry
Los geht’s – wir wollen unseren Henry ausprobieren! Der Ausbau ist noch nicht ganz fertig, aber jetzt soll sich zeigen, was unterwegs schon funktioniert und wo wir noch etwas ändern müssen. Und natürlich wollen wir endlich einmal im neuen Dachzelt übernachten.
Für unseren ersten Test haben wir uns das Eifel-Camp am Freilinger See ausgesucht. Den Campingplatz kennen wir bereits von einem früheren Aufenthalt und haben uns dort damals sehr wohlgefühlt. Warum also nicht für die erste Tour mit Henry an einen vertrauten Ort zurückkehren?
Der Donnerstag ist ein Feiertag – eine gute Gelegenheit, das verlängerte Wochenende zum Campen zu nutzen. Also haben wir auf dem Fünf-Sterne-Platz gebucht. Wir wollen Henry in Ruhe ausprobieren, herausfinden, was uns noch fehlt, und einfach eine gute Zeit auf dem Campingplatz haben.
Durch das Ahrtal und Aussicht bei Dernau
Wir haben Zeit und beschließen, durch das Ahrtal zum Freilinger See zu fahren. Seit der Flut verändert sich das Tal gefühlt jeden Monat. Für uns ist es spannend zu sehen, was sich wieder getan hat und was es Neues gibt.
Die Ahrtalbahn fährt inzwischen wieder auf der gesamten Strecke. Wir staunen darüber, wie schnell dieses große Bauvorhaben umgesetzt wurde. Für deutsche Verhältnisse kommt uns das fast wie ein Rekord vor.
Während wir das Tal hinauffahren, filmen wir ein wenig für unseren YouTube-Beitrag. Doch bei Mayschoß ist die Strecke gesperrt, und wir müssen eine Umleitung nehmen. In Dernau geht es den Berg hinauf – auf eine Straße, die wir in unserem ganzen Leben noch nie gefahren sind. Dabei wohnen wir nur wenige Kilometer entfernt!
Oberhalb von Dernau entdecken wir einen Aussichtspunkt, ausgeschildert als „Schönste Weinsicht Ahr“. Wir halten an und genießen den fantastischen Blick über Dernau. Zahlreiche Touristen und viele Motorradfahrer haben dieselbe Idee. Gemeinsam stehen wir hier und lassen die Aussicht auf uns wirken. Manchmal braucht es eben eine Umleitung, um direkt vor der eigenen Haustür etwas Neues zu entdecken.
Nach dem Stopp geht es weiter, vorbei an Altenahr und durch das obere Ahrtal. In Schuld fällt uns der Campingplatz auf. Wir kennen ihn noch voller Dauercamper, die sich dort teils regelrechte kleine Häuser gebaut hatten. Jetzt wirkt der Platz wie eine große Wiese, eingebettet in sattes Grün. Das gefällt uns, und wir beschließen: Hier wollen wir auch einmal hinfahren.
Kurz vor 14 Uhr kommen wir schließlich am Eifel-Camp am Freilinger See an. Der Platz hat noch Mittagspause, also müssen wir ein wenig warten, bevor es hineingeht.
Camping am Freilinger See
Schon bei der Einfahrt sehen wir: Das Eifel-Camp ist rappelvoll. Wir bekommen einen Stellplatz direkt hinter der Rezeption zugewiesen. Doch selbst mit unserem Henry kommen wir kaum auf den Platz. Wir quetschen uns zwischen unsere Nachbarn und merken schnell: Ruhig ist es hier heute nicht.
Erst jetzt wird uns richtig bewusst, dass Vatertag ist. Viele Gruppen, überwiegend Männer, nutzen den Feiertag, um hier ordentlich abzufeiern. Bei unserem ersten Besuch haben wir den Campingplatz ganz anders erlebt. Es ist derselbe Platz, aber wir bekommen heute einen völlig anderen Eindruck.
Zunächst lassen wir uns davon nicht stören. Dachzelt aufklappen, Markise raus, Tisch und Stühle aufstellen – fertig ist unser Zuhause fürs Wochenende. Nach nur 20 Minuten trinken wir unseren ersten Kaffee, gekocht auf dem Primus-Gasherd in der Heckküche. Funktioniert! Das Leben kann so schön sein.
Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch. Wir schreiben alles auf eine Liste, damit wir beim nächsten Mal daran denken und wissen, worauf wir beim weiteren Ausbau achten müssen. Genau dafür sind wir schließlich mit Henry losgefahren.
Also machen wir es uns gemütlich, spielen Karten und grillen leckere Steaks auf dem Skotti. Den kleinen Klappgrill können wir einfach auf den Tisch stellen. Dazu gibt es Sabines selbstgemachten Kartoffelsalat. Genauso geht Camping.
Musik haben wir auch: Ballermann-Mucke in voller Lautstärke, direkt vom Nachbarn. Wir hoffen, dass es am Abend etwas ruhiger wird. Doch die Musik ist unerträglich laut. Nachdem sich jemand beschwert, wird sie zwischendurch etwas heruntergedreht. Fünf Minuten später ist die volle Lautstärke wieder erreicht.
Gegen 22 Uhr müssen wir eine Entscheidung treffen: Warten wir weiter und hoffen, dass die Nachbarn bald die Musik abstellen? Oder fahren wir nach Hause? Wir wollen im Dachzelt schlafen, und bei diesem Lärm ist an Schlaf nicht zu denken. Wir haben mit unserem Stellplatz auch wirklich Pech – der größte Krach ist ausgerechnet in unserer Ecke.
Bei den feiernden Nachbarn steigt der Alkoholpegel weiter, während die Musik laut bleibt. Wir entscheiden uns schließlich, den Aufenthalt abzubrechen. Wir sind zu alt für Ballermann in voller Lautstärke.
Also packen wir unsere Sachen zusammen und verlassen zum Erstaunen unserer Nachbarn den Campingplatz. Das Wochenende mit Henry endet früher als gedacht. Es geht zurück nach Hause.
Heimfahrt über den Nürburgring
Zurückfahren muss Sabine. Andreas hat vergeblich versucht, sich die Situation mit Wein schönzutrinken. Sabine dagegen hat richtig Spaß daran, unseren Henry zu fahren.
Das Navi ist auf den kürzesten Weg eingestellt, und plötzlich führt uns die Strecke zum Nürburgring. Hier muss irgendetwas los sein – es ist ziemlich voll. Den Ring kennen wir gut: Mit unserer früheren Firma Kranz Digitaldruck haben wir hier zahlreiche Drucke, Leuchtkästen, Fahnen und vieles mehr erstellt. Während wir vorbeifahren, kommen Erinnerungen an die „gute alte Zeit“ zurück.
In Richtung Nordschleife wird es immer voller. Wir überlegen, welche Veranstaltung wohl am Vatertag stattfinden könnte. Als wir die riesigen Camps entlang der Strecke sehen, fällt der Groschen: Natürlich, das 24-Stunden-Rennen!
Obwohl wir nicht weit vom Nürburgring entfernt wohnen, waren wir noch nie bei einer Großveranstaltung wie dieser. Was sich hier vor uns ausbreitet, ist unglaublich. Camp an Camp zieht sich entlang der Strecke. Was für ein Erlebnis – und das ganz unverhofft auf unserer Heimfahrt.
Wie wir später nachlesen, zählt der Veranstalter an diesem Wochenende insgesamt 352.000 Zuschauer. Wie viele davon am Ring übernachten, wissen wir nicht. Aber beim Anblick dieser riesigen Campinglandschaft scherzen wir: Das ist wohl gerade der größte Campingplatz Deutschlands – wenn nicht sogar Europas!
Und dann müssen wir lachen: „Hier ist es bestimmt ruhiger als bei uns im Eifel-Camp am Freilinger See.“
So bekommt unsere abgebrochene Tour doch noch einen unerwarteten Abschluss. Am Ende war es wohl das kürzeste Wochenende unserer Campinglaufbahn.
Wir sind wieder zu Hause. Was für ein Tag!
