Aus unserem Alugerüst sollen richtige Möbel werden
Vor unserer großen Reise sollte Henry nicht mehr ganz so sehr nach Baustelle aussehen. Sabines Wunsch war überschaubar formuliert: Die Schränke wären schon schön. Dahinter steckte dann doch mehr Arbeit – Fronten, Türen, eine Küchenarbeitsplatte, die Verkleidung am Fenster und Zugänge zu der Technik, die später hinter allem verschwindet.
Den Unterbau aus Aluminiumprofilen hatten wir bereits. Jetzt brauchten wir die passenden Platten dazu. Für die zusätzlichen Queenply-Platten bin ich zum Plattenladen nach Münster gefahren. Anschließend musste aus meinen Maßen eine Zeichnung werden, aus der Zeichnung ein gefrästes Bauteil und daraus schließlich ein Möbel, das auch im schiefen und runden Innenraum unseres Vans passt.
Ohne CAD zeichnen – gefräst wird trotzdem mit einer Maschine
Ich bin Grafiker und habe früher in der Werbetechnik gearbeitet. Mit CAD kenne ich mich dagegen nicht gut aus. Mein erster Versuch mit einem Schreiner und einer exportierten DWG-Datei führte nicht zum gewünschten Ergebnis. Dass ein Grafikprogramm ein bestimmtes Dateiformat ausgeben kann, bedeutet eben noch nicht, dass der Betrieb damit unmittelbar arbeiten kann.
Für unsere Teile brauchte ich überwiegend zweidimensionale Umrisse und Ausschnitte. Deshalb habe ich die Fronten in Adobe InDesign gezeichnet und als PDF mit Vektorpfaden ausgegeben. Die Firma werbaxx in Sinzig konnte diese Daten auf ihrer Anlage weiterverarbeiten und die Platten fräsen.
Mein Weg funktioniert nur, wenn der ausführende Betrieb die Daten übernehmen und für seine Maschine aufbereiten kann. Klärt deshalb zuerst Dateiformat, Maßstab, Konturen, Innen- und Außenbearbeitung sowie Material. Eine beliebige PDF oder ein eingescanntes Bild ist noch keine geeignete Fräsdatei. Die Bearbeitungsdaten für die Maschine erstellt beziehungsweise prüft der Betrieb.
Nicht nur die Außenmaße der Front zeichnen
Zunächst habe ich jede Platte als Grundfläche angelegt. Danach kamen die Öffnungen dazu. Dabei zählt viel mehr als die sichtbare Front: Hinter ihr sitzen Stützen, Bodenplatten und Auflagen. Ein Ausschnitt, der auf dem Bildschirm gut aussieht, kann später genau auf ein Aluprofil treffen.
Bei unserer Küchenzeile musste beispielsweise der Platz für die geplante Standheizung berücksichtigt werden. Darüber liegen Profile und eine Zwischenplatte. Deren Stärke und Position gehören mit in die Zeichnung. Die erforderlichen Abstände und Luftwege der Heizung richten sich dabei nach deren Anleitung; meine Möbelmaße sind keine allgemeine Einbauvorgabe.
Auch die Nutzung entscheidet über die Form. Oben wollte ich Türen mit abgerundeten Ecken und dazwischen offene Fächer. Unter der Küche war noch zu überlegen, ob eine Klappe oder geteilte Türen praktischer sind. Was in den Raum schwenkt, muss schließlich auch bei aufgebautem Bett noch sinnvoll erreichbar sein.
Wartungsöffnungen müssen sich später herausnehmen lassen
Ein fest eingebauter Schrank darf den Zugang zu Tank, Pumpe und Heizung nicht einfach verschwinden lassen. Deshalb habe ich in den Zwischenplatten herausnehmbare Einsätze vorgesehen. Das war für mich einer der wichtigsten Planungspunkte.
Dabei reicht es nicht, dass ein Deckel in seinen Ausschnitt passt. Er muss auch durch die Schranköffnung nach draußen gelangen können. Ich habe die möglichen Wege in der Zeichnung verglichen und die Auflagen gleich mitgeplant. Unsere Einsätze liegen später auf von unten befestigten Aluminiumflachprofilen.
Fräserbreite, Türspalt und Rundungen getrennt betrachten
Wird eine Tür einfach aus derselben Platte herausgefräst, ist der Materialverlust durch den Fräser bereits Teil des späteren Spalts. Im Video sprechen wir über vier und acht Millimeter Werkzeugdurchmesser. Das sind die Möglichkeiten bei unserem Auftrag, keine allgemeingültigen Werte für jede Maschine.
Um den Abstand gezielter bestimmen zu können, habe ich zusätzliche Einsätze separat gezeichnet. Geplant waren ungefähr 2,5 mm Luft pro Seite. Beim Verkleinern mussten anschließend auch die Eckradien angepasst werden: Nur Breite und Höhe zu ändern, ergibt nicht automatisch eine überall gleichmäßige Fuge.
In den Kommentaren kam der berechtigte Hinweis, dass man im Fahrzeug Bewegung und Veränderungen der Materialien berücksichtigen muss. Unser geplanter Spalt ist deshalb keine Empfehlung für jeden Aufbau. Material, Beschichtung, Scharniere, Verriegelung und Einbausituation bestimmen gemeinsam, wie viel Spiel nötig ist.
Queenply, weiße Fronten und eine Arbeitsplatte in Holzoptik
Ein Teil unseres Ausbaus hatte zunächst eine Grundierfolie, weil ich die Fronten später noch mit Möbeldekorfolie gestalten wollte. Für die nachgekauften Platten war diese Ausführung nicht vorrätig. Deshalb kam auch eine weiß beschichtete Variante dazu.
Für die Arbeitsplatte haben wir eine Stabholzoptik gewählt. Sie sollte zu unserer hellen Decke und dem grauen Filz passen. Welche Oberfläche roh bleibt, geölt werden soll oder bereits beschichtet ist, muss bei der weiteren Bearbeitung sauber unterschieden werden. Eine fertige Beschichtung behandelt man nicht einfach genauso wie eine offene Holzkante.
Nach dem Fräsen kommt das Einpassen am Fahrzeug
Beim Fräsen selbst lässt sich ein falsches Maß nicht mehr wegdiskutieren. Umso größer war die Erleichterung, als die ersten Teile gut aussahen. Fertig waren sie damit aber noch lange nicht: Gerade an den Seitenwänden verlaufen die Konturen im Van selten so rechtwinklig wie auf der Zeichnung.
Diese hinteren Kanten habe ich bewusst mit etwas Reserve angelegt und nach dem Anhalten mit der Stichsäge angepasst. Bei der Arbeitsplatte und der Fensterverkleidung musste ich mehrfach messen, auflegen und nacharbeiten. Das war Fummelei, aber für uns der bessere Weg, als jeden unregelmäßigen Verlauf vorab digital bis ins Letzte nachzubauen.
Mein eigener Fehler gehörte leider auch dazu: Eine bereits angepasste Platte hatte ich beim weiteren Bearbeiten verkehrt herum liegen. Der Ausschnitt passte anschließend auf der falschen Seite. Weil diese Front später ohnehin foliert werden sollte, konnte ich die Stelle reparieren. Sichtseite, Oberkante und Fahrzeugseite würde ich deshalb vor jedem Schnitt deutlich markieren.
Kanten schleifen und die Oberfläche fertigstellen
Die gefrästen Queenply-Kanten brauchten Nacharbeit. Je nach Faserrichtung war einiges zu schleifen, bis sie sich angenehm glatt anfühlten. Erst nach dem Einpassen habe ich die offenen Bereiche mit dem vorgesehenen farblosen Zweikomponentenöl behandelt.
Dabei war wenig Material hilfreicher als eine dicke Schicht. Überschüssiges Öl habe ich wieder abgenommen. Verarbeitungsmenge, Mischung und Trocknungszeit müssen zur Anleitung des tatsächlich verwendeten Produkts passen. Meine Ungeduld im Video ist jedenfalls kein guter Maßstab dafür, wann eine Oberfläche fertig belastbar ist.
Ölgetränkte Lappen nicht zusammengeknüllt liegen lassen. Je nach Öl können sie sich selbst erhitzen. Beachtet die Hinweise zur sicheren Aufbewahrung und Entsorgung auf dem verwendeten Produkt.
Was sich auf der ersten großen Reise gezeigt hat
Den Schluss des Videos haben wir nach unserer Reise durch Luxemburg, Frankreich, Spanien und Portugal aufgenommen. Da hatte der Ausbau erstmals mehrere Wochen Alltag hinter sich. Insgesamt hat er für uns gut funktioniert, und aus dem offenen Gerüst war ein deutlich wohnlicherer Innenraum geworden.
Ganz fertig waren die Möbel trotzdem nicht. Einige Türen, Scharniere und die passende Verriegelung fehlten noch. Auch das eingesetzte Kochfeld war beim gezeigten Stand mangels Wechselrichter noch nicht angeschlossen. Das sind Zwischenstände unseres Ausbaus, keine fertigen Lösungen, die man unverändert übernehmen sollte.
Einige leichte Verkleidungen und Auflagen hatte ich mit Klett befestigt. Sie blieben während unserer Reise an ihrem Platz. Das ist eine Beobachtung aus dem Alltag, aber kein Nachweis für die Sicherung schwerer Bauteile oder bei einem Unfall. Außerdem zeigte die Spülenabdeckung, dass sich auch ein sorgfältig zugeschnittenes Holzteil noch verziehen kann.
Unser Fazit: Genau messen und mit dem Betrieb abstimmen
Für unsere überwiegend flachen Bauteile war die Planung im vertrauten Grafikprogramm ein brauchbarer Weg. Ich musste nicht erst CAD lernen, um Fronten, Ausschnitte und Einsätze zeichnen zu können. Die passende Maschine und die Erfahrung des ausführenden Betriebs waren trotzdem ein wesentlicher Teil des Ergebnisses.
Am meisten Arbeit steckte am Ende im Messen, im Kontrollieren der Einbausituation und im sauberen Einpassen. Die Fräse spart diese Schritte nicht. Wenn ihr einen ähnlichen Weg gehen möchtet, beginnt deshalb mit dem Gespräch mit eurem Fräsbetrieb – und plant Zeit für die Arbeiten ein, die nach dem Fräsen noch folgen.
