Saint-Émilion zwischen Weinbergen und Mittelalter
Saint-Émilion ist weit mehr als ein bekannter Name auf einem Weinetikett. Der kleine Ort östlich von Bordeaux liegt auf einem Kalksteinplateau und verbindet Weinberge, mittelalterliche Architektur und steile Gassen auf erstaunlich engem Raum. Schon beim Näherkommen wird deutlich, wie eng der Ort und der Weinbau miteinander verbunden sind.
Die historische Weinlandschaft der Jurisdiktion Saint-Émilion gehört seit 1999 zum UNESCO-Welterbe. Ausschlaggebend ist nicht nur der Wein, sondern das Zusammenspiel aus jahrhundertealter Kulturlandschaft, Siedlungen und religiösen Bauwerken. Für einen ersten Besuch lässt sich der historische Kern gut zu Fuß erkunden – allerdings sollte man die Höhenunterschiede nicht unterschätzen.
Stiftskirche und Kreuzgang
Ein guter Ausgangspunkt für den Rundgang ist der obere Teil des Ortes rund um den Place du Clocher. Dort steht die Stiftskirche, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen. Der angrenzende Kreuzgang wirkt deutlich ruhiger als die belebten Gassen und lohnt sich besonders wegen seiner steinernen Bögen und Wandmalereien.
Bei unserem Besuch hielten wir die Stiftskirche zunächst für die berühmte Monolithkirche. Das ist leicht zu verwechseln: Die eigentliche Besonderheit liegt tiefer in der Unterstadt und zum Teil direkt unter den Plätzen, auf denen man zuvor noch gestanden hat.
Die Monolithkirche unter der Stadt
Die Église Monolithe ist aus dem Kalkstein herausgearbeitet und gilt als eines der wichtigsten Bauwerke von Saint-Émilion. Von außen sieht man vor allem Portal und Glockenturm; der große Kirchenraum selbst liegt im Fels unter der Stadt.
Der Innenraum ist nicht frei zugänglich, sondern wird im Rahmen geführter Besichtigungen gezeigt. Bei uns waren sämtliche Führungen des Tages bereits ausgebucht. Wer die unterirdischen Monumente unbedingt sehen möchte, sollte deshalb vorab auf der offiziellen Tourismusseite nach verfügbaren Terminen schauen und möglichst reservieren.
Tertres, Aussicht und Kopfsteinpflaster
Zwischen Ober- und Unterstadt führen mehrere steile Tertres hinab. Diese schmalen Gassen mit ihrem unebenen Kopfsteinpflaster prägen das Bild von Saint-Émilion, verlangen aber festes Schuhwerk und etwas Aufmerksamkeit. Mit eingeschränkter Beweglichkeit können die Steigungen anstrengend sein.
Wer sich Zeit lässt, entdeckt unterwegs kleine Plätze, Weinhandlungen, Restaurants und immer neue Durchblicke auf Dächer und Weinberge. Besonders schön fanden wir die Aussicht vom oberen Ort rund um den Place du Clocher. Die 118 Stufen der Tour du Roy haben wir an diesem Tag allerdings ausgelassen.
Macarons aus Saint-Émilion
Neben Wein besitzt Saint-Émilion noch eine zweite kulinarische Tradition: Macarons. Sie unterscheiden sich deutlich von den bunten, gefüllten Doppelkeksen, die man heute meist mit diesem Namen verbindet. Die Spezialität aus Saint-Émilion besteht aus schlichten Mandelplätzchen, die auf Papier gebacken werden.
Optisch wirken sie eher zurückhaltend, geschmacklich haben sie uns sofort überzeugt. Wir kauften unsere Portion in der Rue Guadet und probierten außerdem Canelés aus dem nahen Bordeaux – kleine Küchlein mit dunkler, karamellisierter Kruste und weichem Inneren.
Unser Fazit zu Saint-Émilion
Saint-Émilion lässt sich gut an einem halben Tag entdecken, wenn man durch die Gassen schlendern, Kirchen und Kreuzgang ansehen und zwischendurch eine Pause einlegen möchte. Für eine Führung durch die unterirdischen Monumente oder einen Besuch auf einem Weingut sollte man zusätzliche Zeit einplanen.
Uns gefiel vor allem die Mischung: Der Ort ist sichtbar vom Wein geprägt, funktioniert aber auch ohne Verkostung als spannendes Ausflugsziel. Mittelalterliche Architektur, ungewöhnliche Kirchen, weite Ausblicke und kleine kulinarische Entdeckungen liegen hier nur wenige Schritte voneinander entfernt.
