Château de Serrant
Manchmal sind es nicht die berühmtesten Schlösser, sondern die stilleren, die einen am meisten berühren.
So ging es uns mit dem Château de Serrant im Pays de la Loire. Von außen wirkt es fast ein wenig zurückhaltend – kein riesiger Schlosskomplex, keine gewaltigen Türme. Aber genau das machte uns neugierig. Und was sich dann hinter den Mauern verbarg, war ein echter Schatz.
Ein besonderes Highlight für uns: Man darf hier sogar mit Hund hinein. Gemeinsam mit Kalle konnten wir an einer französischsprachigen Führung teilnehmen und das komplette Schloss besichtigen – vom Keller bis in die Wohnräume. Das machte den Besuch für uns noch einmal viel intensiver.
Außen
Das Schloss liegt ruhig in der Landschaft, umgeben von Wiesen, Bäumen und einem weitläufigen Park. Von außen wirkt Serrant elegant, aber nicht protzig. Die helle Fassade, die symmetrische Architektur und die ruhige Lage verleihen dem Gebäude etwas sehr Würdevolles. Man ahnt hier noch nicht, wie reich und tief die Geschichte im Inneren ist – und genau das macht den ersten Eindruck so spannend.
Innen – Wohnräume, Bibliothek & Geschichte
Drinnen öffnet sich eine völlig andere Welt. Die Wohnräume sind reich ausgestattet, aber nicht museumshaft. Teppiche, Möbel, Gemälde und Vorhänge erzählen von Jahrhunderten adeligen Lebens. Besonders beeindruckend fanden wir, wie intakt und original hier vieles noch ist – man hat nicht das Gefühl, durch Kulissen zu laufen, sondern durch echte Geschichte.
Das absolute Herzstück des Schlosses ist die Bibliothek – eine der schönsten privaten Bibliotheken Frankreichs. Tausende alte Bücher, hohe Regale, Holz, Licht und Stille – ein Raum, der einen sofort fesselt. Man möchte sich am liebsten hinsetzen und einfach bleiben.
Auch die Schlafräume sind Teil der Führung. Einer der berühmtesten Gäste sollte Napoleon Bonaparte sein, der kam aber dann doch nicht. Jedoch seine Frau Joséphine, für die extra ein Zimmer ausgestattet wurde. Plötzlich werden diese Räume mehr als nur Zimmer: Sie werden zu Zeitzeugen.
Besonders spannend war für uns auch der Blick in die Bäder – überraschend modern für ihre Zeit …
…sowie in die Küche im Kellergeschoss, in der man sich gut vorstellen kann, wie hier früher für große Gesellschaften gekocht wurde.
Ein kleines technisches Highlight ist der alte Aufzug im Bediensteten-Treppenhaus, der früher genutzt wurde, um Dinge und Speisen zwischen den Etagen zu transportieren – ein faszinierender Blick auf den Alltag hinter den Kulissen.
Nebengebäude
Auch rund um das Schloss gibt es einiges zu entdecken: Wirtschaftsgebäude, ehemalige Ställe und Nebenräume, die zeigen, wie groß der gesamte Schlossbetrieb früher war. Hier wurde nicht nur gewohnt – hier wurde gearbeitet, organisiert und ein ganzer Mikrokosmos am Laufen gehalten.
Park & Krokusblüte
Der Park von Serrant ist ruhig, weitläufig und wunderschön angelegt. Als wir dort waren, stand die Landschaft in der Krokusblüte – überall kleine violette und weiße Tupfer im Gras, die dem Park eine fast märchenhafte Stimmung gaben. Zwischen alten Bäumen, Wiesen und Wegen sind wir einfach spazieren gegangen und haben diesen Ort auf uns wirken lassen.
Das Château de Serrant war für uns eine echte Entdeckung. Ein Schloss, das nicht laut sein muss, um großartig zu sein – sondern mit Tiefe, Atmosphäre und Geschichte überzeugt. Ein Ort, den man nicht nur besucht, sondern erlebt.