Ein Leuchtturm zwischen Bassin und Atlantik
Der Leuchtturm von Cap Ferret steht an einer nautisch wichtigen Stelle: Er markiert die nördliche Seite der Einfahrt in das Bassin d’Arcachon. Zwischen Atlantik, Sandbänken und den beweglichen Fahrrinnen der sogenannten Passes hilft sein Licht der Schifffahrt bei der Orientierung.
Der heutige Turm ist rund 53 Meter hoch. 258 Stufen führen zur Außengalerie, von der sich bei geöffnetem Turm ein Rundblick über die Halbinsel, das Bassin, die Dune du Pilat und den Atlantik bietet. Das rote Leuchtfeuer blitzt alle fünf Sekunden auf und ist bei guten Bedingungen mehr als 40 Kilometer weit zu sehen.
Vom ersten Leuchtturm zum heutigen Bau
Der erste Leuchtturm an dieser Stelle wurde im 19. Jahrhundert errichtet und 1840 in Betrieb genommen. Damals war das Licht zunächst feststehend. Später wurde die Technik mehrfach modernisiert; seit 1928 kennzeichnet ein regelmäßig wiederkehrender roter Lichtblitz die Einfahrt zum Bassin.
Im August 1944, kurz vor dem Abzug der deutschen Besatzungstruppen, wurde der alte Leuchtturm gesprengt. Nach dem Krieg entstand an gleicher Stelle ein Neubau, der sich gestalterisch eng am Vorgänger orientierte. Der heutige Turm wurde 1947 fertiggestellt und 1949 offiziell eingeweiht. Am Eingangsportal erinnern die Jahreszahlen 1840 und 1947 an beide Bauphasen.
Auch im Inneren steckt mehr Geschichte, als die klare weiße Turmform von außen vermuten lässt. Im Eingangsbereich befindet sich eine Mosaik von Auguste Labouret mit einer Darstellung des Bassin d’Arcachon. Die Ausstellung im Leuchtturm beschäftigt sich außerdem mit Seekarten, Navigation und der Entwicklung der Leuchtfeuer.
258 Stufen bis zum Rundblick
Der Aufstieg erfolgt ausschließlich über die Treppe. Einen Aufzug gibt es nicht. Oben öffnet sich die Galerie rund um die Laterne; von dort lassen sich die beiden sehr unterschiedlichen Seiten der Halbinsel besonders gut erkennen: im Osten das geschützte Bassin mit Austernbänken und Dune du Pilat, im Westen der offene Atlantik.
Wir selbst waren zu spät für den Aufstieg. Der Leuchtturm war bei unserer Ankunft bereits geschlossen, und mit Sabines angeschlagenem Knie wären die 258 Stufen ohnehin keine gute Idee gewesen. Den Panoramablick können wir deshalb nicht aus eigener Erfahrung beschreiben. Wer hinauf möchte, sollte die aktuellen Öffnungszeiten vorab auf der offiziellen Website des Leuchtturms prüfen.
Blockhaus Ar 36 am Fuß des Leuchtturms
Nur wenige Schritte vom Turm entfernt liegt ein Bauwerk aus einer völlig anderen Zeit: das Blockhaus du Phare. Der Bunker wurde 1943 als Teil des Atlantikwalls errichtet. Er gehörte zur Stellung Ar 36 im Raum Arcachon und entspricht dem standardisierten Bautyp Regelbau 622 – einem geschützten Unterkunftsbau für Soldaten und Ausrüstung.
Nach Angaben der Stadt Lège-Cap-Ferret war das Blockhaus für Truppen der Kriegsmarine bestimmt. Während der Leuchtturm beim Rückzug 1944 zerstört wurde, blieb der Bunker erhalten. Von 1944 bis 1947 diente er noch als Lager für den Bau des neuen Leuchtturms. Danach geriet er außer Nutzung und verschwand zunehmend unter Sand und Vegetation.
Vom Militärbau zum Lern- und Ausstellungsort
Im Winter 2010 ließ die Gemeinde das Blockhaus gemeinsam mit der lokalen Forschungsvereinigung GRAMASA freilegen. In den folgenden Jahren wurde das Innere gereinigt, restauriert und für Besucher zugänglich gemacht. Damit blieb nicht nur der massive Betonbau erhalten: Das Blockhaus wurde zu einem Ort, an dem sich die Geschichte des Atlantikwalls und des Leuchtturms miteinander verbinden lässt.
Bei unserem Besuch befand sich im Inneren die Licht-, Klang- und Kunstinstallation „Moments Phare“. Die engen, dunklen Räume wurden dabei bewusst mit Licht und Ton bespielt. Gerade der Gegensatz zwischen dem früheren militärischen Zweck und der modernen Installation machte den Besuch für uns unerwartet spannend.
Praktische Tipps für den Besuch
Für Leuchtturm, Ausstellung, Park und Blockhaus solltet ihr mindestens zwei Stunden einplanen. Wer die 258 Stufen hinaufsteigen und oben in Ruhe fotografieren möchte, braucht entsprechend mehr Zeit. Der Aufstieg ist körperlich anstrengend und nicht barrierefrei.
- Öffnungszeiten und Eintrittspreise vor der Anreise auf der offiziellen Website prüfen.
- Für den Aufstieg bequeme Schuhe tragen und die 258 Stufen realistisch einschätzen.
- Das Blockhaus liegt direkt im Park des Leuchtturms und lässt sich gut mit dem Besuch verbinden.
- Ausstellungen im Blockhaus können wechseln; aktuelle Hinweise bietet die Stadt beziehungsweise der Leuchtturm.
Unser Fazit
Auch ohne Aufstieg war der Besuch für uns lohnenswert. Leuchtturm und Blockhaus erzählen auf engem Raum zwei miteinander verbundene Geschichten: die Geschichte der Navigation an einer schwierigen Küste und die Geschichte der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg.
Besonders das restaurierte Blockhaus überraschte uns. Wir hatten neben dem Leuchtturm nicht mit einer solchen Mischung aus historischem Ort und moderner Installation gerechnet. Wer am Cap Ferret unterwegs ist, sollte deshalb nicht nur auf den Turm schauen, sondern auch den unscheinbareren Betonbau daneben besuchen.
