Vom offenen Ausschnitt zu einem nutzbaren Schlafplatz
Das Dachzelt saß auf Henry, und wir konnten bereits von innen hinaufsteigen. Fertig war unser Schlafplatz damit noch lange nicht. Der Ausschnitt brauchte saubere Kanten, oben fehlte eine belastbare Klappe und die durchgehende Matratze passte nicht zu einem Zugang mitten in der Liegefläche.
Gleichzeitig wollten wir den Schlafkomfort verbessern. Deshalb kamen in diesem Arbeitsschritt Froli-Tellerfedern, die Klappenkonstruktion, der Matratzenzuschnitt und die Vorbereitung der Kabel zusammen. Das Video zeigt auch die kleinen Umwege, die man auf einer fertigen Zeichnung gern übersieht.
Warum wir Froli Travel unter die Matratze gelegt haben
Die vorhandene Matratze war mir zu fest. Unsere Wahl fiel auf Froli Travel mit ungefähr 3,7 cm Aufbauhöhe. Zusammen mit der etwa sechs Zentimeter dicken Matratze ist damit im geschlossenen Zelt schon viel Raum belegt. Ob Bettzeug oben bleiben kann, muss deshalb am eigenen Zelt geprüft werden.
Die Froli-Produktinformationen unterscheiden weichere Schulterelemente, Standardfedern und Spannkreuze zum zusätzlichen Verhärten. Die Fußkreuze lassen sich mit verschiedenen Abständen zusammenstecken. So konnten wir die Fläche und die Zonen an unseren Schlafplatz anpassen.
Der Freiraum unter der Matratze unterstützt außerdem die Luftzirkulation. Wir nutzen ihn anstelle der bisherigen Mesh-Unterlage. Das macht Lüften und das Kontrollieren auf Feuchtigkeit trotzdem nicht überflüssig; eine Unterfederung verhindert Schimmel nicht unter allen Bedingungen automatisch.
Beim Auslegen habe ich zunächst geprüft, wo die Klappe beginnt und ob sich die Elemente beim Öffnen berühren. Genau dort wurde es eng. Mit halben Travel-Elementen ließ sich der Übergang später besser lösen.
Die Klappe muss mit Matratze aufgehen
Für den Bewegungsraum half mir ein einfaches Modell: Eine Leiste stellte die Klappenlänge dar, ein aufgesetztes Stück die zusätzliche Höhe von Unterfederung und Matratze. Damit ließ sich ausprobieren, wie weit die Klappe unter dem niedrigen Dachzeltende aufgehen kann.
Die Klappe entstand aus drei Millimeter starkem Aluminiumverbundmaterial. Sie ist etwas schmaler als der Zeltinnenraum, und ihre Ecken sind abgerundet, damit sie nicht an den Zeltstoff stoßen. Aluminiumwinkel versteifen die Platte; an der Scharnierseite gleicht ein zusätzlicher Streifen die Höhenunterschiede aus.
Die Scharniere ließen sich mit meinen zunächst versuchten Nieten nicht ordentlich befestigen. Dafür kamen passende Schraubverbindungen zum Einsatz. Die Unterfederung und die Verstärkungen wurden ebenfalls an der Klappe fixiert. Entscheidend ist, dass die geschlossene Konstruktion die Last sicher auf geeignete Auflagen überträgt.
Das ist ein individuell gebauter Zugang in einer Liegefläche. Platte, Auflager, Scharniere und deren Verbindungen müssen für die tatsächliche Belastung ausgelegt sein. Ein erster erfolgreicher Versuch ersetzt keinen Tragfähigkeitsnachweis. Offen muss die Klappe zuverlässig gehalten werden, damit sie beim Durchsteigen nicht zufallen kann.
Den Übergang verkleiden und Bewegungsraum lassen
Am Ausschnitt haben wir Winkel und Aluminiumverbundplatten verwendet, um die offenen Kanten abzudecken. Die zum Zelt gehörenden Teile wurden dabei nicht starr mit dem Fahrzeugdach verbunden. Dazwischen kam eine passende Dämmung; die sichtbaren Flächen sollten später noch Filz bekommen.
Auch hier war die Passprobe wichtig. Zusätzliche Verkleidung und Filz brauchen Platz. Ich habe deshalb zunächst ein kleines Stück probeweise aufgelegt, bevor alles endgültig verkleidet wurde. So ließ sich kontrollieren, ob die Klappe weiterhin sauber schließt.
Die Matratze passend teilen und am Scharnier entlasten
Den Bezug haben wir zuerst abgenommen und den Schaum getrennt bearbeitet. Nach dem Ausbreiten musste die Matratze wieder ihre volle Form annehmen, bevor die Schnittlinie endgültig festgelegt wurde. Mehrfaches Nachmessen war hier besser als ein schneller Schnitt.
Der erste Zuschnitt allein reichte noch nicht: Beim Hochklappen schob sich der Schaum am Scharnier zusammen. Deshalb habe ich dort eine keilförmige Entlastung ausgeschnitten. Danach konnte der hintere Teil besser mit der Klappe nach oben schwenken, ohne die Matratze so stark aufzuwölben.
Das war eine Anpassung an unsere konkrete Matratze und Klappengeometrie. Vor einem solchen Schnitt sollte klar sein, wo später die Liegefläche unterstützt wird und ob der Bezug die Bewegung mitmacht.
Den Bezug haben wir am Ende selbst genäht
Eigentlich wollte ich die Änderung an eine Nähstube geben. Am Ende habe ich doch die alte Privileg-Nähmaschine aus dem Keller geholt. Der Bezug wurde geteilt und mit zusätzlichen Stoffstreifen geschlossen. Den vorhandenen Reißverschluss konnten wir teilweise weiterverwenden.
Die weißen Ergänzungen sieht man später kaum, und beim ersten Probeliegen haben wir den entlasteten Bereich nicht störend gespürt. Es musste für uns keine perfekte Polsterarbeit werden, sondern eine saubere Lösung, die zur Klappe passt.
Kabel durch den vorhandenen Übergang führen
Statt einer weiteren Öffnung im Fahrzeugdach habe ich die vorbereiteten Kabel durch den vorhandenen Durchstieg geführt. Eine aufgedoppelte Seite schuf dafür Platz; oben wurden die Leitungen in Richtung der späteren Verbraucher weitergeführt.
Beim Dreh waren sie noch nicht fertig angeschlossen. Die im Video genannten Querschnitte beziehen sich auf meine Planung und sind keine allgemeine Vorgabe. Leitungen brauchen eine passende Absicherung, Schutz gegen Scheuern und eine Führung, die Bewegung und Schließmechanik berücksichtigt.
Unser Fazit nach der ersten Liegeprobe
Der Komfortgewinn durch die Unterfederung war für mich sofort spürbar. Noch schöner war aber, dass Zugang, Klappe und Matratze nun tatsächlich zusammen funktionierten. Hochsteigen, Klappe schließen und die Liegefläche nutzen – genau so hatten wir uns das vorgestellt.
Ein paar sichtbare Flächen warteten noch auf Filz, und die Elektrik war noch nicht fertig. Trotzdem war aus dem offenen Ausschnitt inzwischen ein brauchbarer Schlafplatz geworden. Die vielen Passproben und kleinen Korrekturen haben sich dafür gelohnt.
