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Sabine und Andreas an einem Kanal in Aveiro
Reisebericht · September 2026

Aveiro, Nazaré und Nächte unter Olivenbäumen

Portugal-Roadtrip 2026 · Teil 5

Sabine und Andreas an einem Kanal in Aveiro
22.09.–24.09.2026Reisezeit
3 TageUnterwegs mit Henry
Andreas & SabineMit Kalle

Bunte Boote in Aveiro, ein spontanes Wiedersehen mit Freunden aus Sinzig am Atlantik, Nazaré im Nebel und zwei Nächte auf einer Olivenfarm – unsere Tage in Portugal zwischen Stadtbummel, Strand, Olivenernte und Tropfsteinhöhle.

22.–24. September 2026

Unsere Tage in Portugal waren kurz, aber voller Kontraste: bunte Moliceiro-Boote in Aveiro, ein unerwartetes Wiedersehen mit Freunden aus Sinzig an einem einsamen Atlantikstrand, Nazaré unter einer dichten Nebeldecke und zwei Nächte zwischen Olivenbäumen – mit Olivenernte, einem mobilen Büro in Henry und einem spontanen Ausflug tief unter die Erde.

Bunte Boote in Aveiro

Nach zwei Nächten am Rio Lima ging es am 22. September nach Süden. Erstes Ziel: Aveiro. Wir stellten Henry ab und bummelten durch die Innenstadt, die von mehreren Kanälen durchzogen ist – nicht umsonst wird Aveiro gern das „Venedig Portugals“ genannt.

Auf den Kanälen sind die Moliceiros unterwegs, schmale Boote mit hochgezogenem Bug. An Gondeln erinnern sie entfernt, sind aber viel bunter. Am meisten Spaß hatten wir an den Bemalungen an Bug und Heck: Alltagsszenen, Heilige, Historisches und oft ziemlich frecher Humor. Ursprünglich holte man mit diesen Booten Seegras und Algen aus der Lagune, das sogenannte Moliço, das als Dünger auf die Felder kam. Heute fahren sie fast nur noch Besucher durch die Stadt.

Vorbei an der Igreja da Misericórdia und der Sé Catedral ließen wir uns treiben, schauten auf Häuser und Kanäle und genossen unseren ersten richtigen Stadtbummel in Portugal.

Costa Nova nur im Vorbeifahren

Danach wollten wir noch nach Costa Nova, berühmt für seine bunt gestreiften Holzhäuser, die Palheiros – ursprünglich einfache Hütten der Fischer. Den Ort beziehungsweise die richtige Zufahrt haben wir allerdings nicht gefunden. Ein paar der gestreiften Häuser sahen wir trotzdem: aus Henrys Fenster.

Bevor wir weiterfuhren, kauften wir noch Ovos Moles, Aveiros berühmteste Süßigkeit: eine Creme aus Eigelb und Zucker in hauchdünnen Oblaten, geformt wie Muscheln, Fische oder kleine Boote. Der Überlieferung nach stammen sie aus den Klöstern rund um Aveiro, wo die Nonnen so das übrige Eigelb verwerteten. Seit 2008 ist der Name EU-weit geschützt. Probieren wollten wir sie erst am Abend.

Ein Wiedersehen am Atlantik

Unterwegs meldeten sich Fabian und Anke, Freunde aus Sinzig. Auch sie reisten gerade durch Portugal, und wie sich herausstellte, waren sie gar nicht weit von uns entfernt. Kurzerhand verabredeten wir uns. Sie schickten ihren Standort: irgendwo im Nirgendwo an der Atlantikküste bei Marinha Grande.

Gegen Abend erreichten wir einen einsamen Strand mit einem Parkplatz direkt am Meer, auf dem außer unseren Freunden nur zwei, drei weitere Camper standen. Dort erwarteten uns zwei dunkelbraun gebrannte Gesichter und große Freude: mehr als 2.500 Kilometer von zu Hause, an einem abgelegenen Strand in Portugal.

Ein überraschend nasser Strandspaziergang

Natürlich ging es erst einmal gemeinsam ans Meer. Der Atlantik war allerdings deutlich lebhafter als gedacht. Ein paar Wellen kamen schneller und weiter den Strand hinauf, als uns lieb war, und so standen wir ziemlich durchnässt wieder an den Autos. Der Stimmung hat das nicht geschadet.

Den Abend verbrachten wir bei Wein und gutem Essen. Jetzt kamen auch die Ovos Moles auf den Tisch – eine interessante Erfahrung, unseren Geschmack trafen sie aber nicht ganz. Die sehr süße Eigelbfüllung muss man wohl mögen. Viel wichtiger war ohnehin, nach Tagen zu zweit mit Henry und Kalle plötzlich mit Freunden aus der Heimat an einem portugiesischen Strand zu sitzen.

Nazaré im Nebel

So ist das, wenn Freunde zu Besuch kommen: Fabian und Anke hatten bis dahin offenbar nur Sonne gehabt, unser gemeinsamer Morgen begann mit Nieselregen. Über dem Strand lag eine dichte Nebelwand, die alles verschluckte, was weiter als ein paar Meter entfernt war. Also fuhren wir gemeinsam nach Nazaré.

Nazaré gilt als Mekka der Big-Wave-Surfer. Vor dem Praia do Norte mit dem Forte de São Miguel Arcanjo und seinem roten Leuchtturm brechen in den Wintermonaten die größten Wellen, die je gesurft wurden – der offizielle Rekord liegt bei über 26 Metern. Der Grund liegt unter Wasser: Vor der Küste verläuft der Canhão da Nazaré, mit rund 210 Kilometern Länge der größte Unterwasser-Canyon Europas. Er bündelt die Dünung und lenkt sie mit voller Wucht auf die Küste.

An diesem Tag war davon allerdings nichts zu sehen. Auch Nazaré steckte komplett im Nebel. Das Meer war irgendwo da draußen, davon waren wir überzeugt.

Gefühlte 798 Stufen und zweimal dieselbe Bar

Vom oberen Ortsteil, dem Sítio, wollten wir mit der Standseilbahn hinunter in die Unterstadt fahren. Kalle durfte allerdings nicht mit. Also zu Fuß. Es folgten gefühlte 798 Treppenstufen – und unterwegs eine große Schaukel mit Blick über Nazaré, ein echter Insta-Spot, den wir mit der Bahn nie entdeckt hätten.

Unten hatten wir uns ein Bier verdient. In einer Bar direkt am Strand saßen wir trotz Trubel auf der Promenade erstaunlich ruhig. Danach wollten wir uns noch etwas umsehen und vielleicht eine zweite Bar finden. Wir liefen ein wenig herum – und landeten wieder in der ersten. Warum lange suchen, wenn man schon weiß, wo es gut ist? Mit Muscheln, Steak im Brötchen und portugiesischen Kleinigkeiten wurde aus dem kurzen Bier ein richtig schöner Nachmittag.

Irgendwann mussten wir die gefühlten 798 Stufen wieder hinauf. Ausgerechnet Sabine mit ihrem angeschlagenen Knie war als Erste oben. Ungeahnte Kraftreserven oder einfach der Wunsch, es schnell hinter sich zu bringen? Wir wissen es bis heute nicht.

Übernachten wollten wir nicht in Nazaré. Der Nebel hing nur über dem Meer und dem Küstenstreifen; wenige Kilometer landeinwärts war es rund zehn Grad wärmer und der Himmel klar. Also ging es ins Inland, zu einem Stellplatz auf einer Olivenfarm bei Tremoceira.

Olivenernte und ein Abend unter Lichterketten

Als wir ankamen, war die Ernte in vollem Gange. Die Farmer breiteten große Netze unter den Bäumen aus und rüttelten die Äste mit elektrischen Schüttelgeräten, bis die grünen Oliven herunterprasselten. Einmal zu sehen, wie viel Arbeit in einer Flasche Olivenöl steckt, fanden wir richtig spannend.

Am Abend standen vor der kleinen Küche der Farm Tische im Garten, darüber Lichterketten. Es gab ein ausgezeichnetes Drei-Gänge-Menü, Wein und natürlich Öl aus eigener Herstellung. Spannend war der direkte Vergleich: ein ein Jahr altes Öl und eines, das erst wenige Tage zuvor gepresst worden war. Das junge Öl schmeckte salziger und war im Abgang richtig scharf. Dieses Kratzen im Hals gilt übrigens als Zeichen für frisches, hochwertiges Öl.

Mindestens so unterhaltsam war die Verständigung mit unserer Bedienung aus Südafrika, deren Englisch für unsere Ohren ausgesprochen lustig klang und von dem wir kaum etwas verstanden. Gemeinsam mit ihr und ihrer Chefin, die zugleich die Olivenfarm führt, haben wir uns köstlich amüsiert.

Morgensonne, Olivenöl und ein dringender Auftrag

Am nächsten Morgen fiel das erste Sonnenlicht zwischen den Olivenbäumen auf unseren Stellplatz. Ein schönerer Ort zum Aufwachen ist kaum denkbar. Entspannt beginnen konnte der Tag trotzdem nicht: Andreas hatte einen dringenden Kundenauftrag, der bis zwölf Uhr fertig sein musste, und seine Laune passte entsprechend wenig zur Idylle.

Während Andreas in Henry am Rechner saß, gingen Anke, Sabine und Fabian um zehn Uhr zur Führung über die Farm. Dort erfuhren sie, was mit den frisch geernteten Oliven passiert: Gepresst wird hier nicht mehr klassisch, das Öl wird mit modernen Zentrifugen aus der Olivenmasse gewonnen. Diese Investition hat sich ausgezahlt. Während viele kleinere Betriebe aufgeben mussten, ist die Farm heute eine Anlaufstelle für die ganze Region, und auch andere Bauern lassen ihre Oliven hier verarbeiten.

Andreas bekam davon leider nichts mit. Als die drei zurückkamen, saß er immer noch an seinem Auftrag, also zogen Anke und Fabian schon mal allein los. Gegen Mittag war die Arbeit erledigt, die Laune schlagartig besser, und wir konnten hinterher.

Von der verschlossenen Burg in die Grutas da Moeda

Das verschlossene Castelo de Porto de Mós

Wir trafen die beiden am Castelo de Porto de Mós wieder. Die Burg ist älter, als sie aussieht: An dieser Stelle stand schon ein römischer Wachposten, später eine maurische Festung. 1148 eroberte sie Afonso Henriques, der erste König Portugals. 1385 machten hier König João I. und sein Heerführer Nuno Álvares Pereira Station, kurz vor der Schlacht von Aljubarrota, deren Sieg über Kastilien die Unabhängigkeit Portugals sicherte.

Ausführlich ansehen konnten wir sie allerdings nicht: Sie hatte geschlossen. Ein neues Ziel musste her.

Sabine entdeckt die Grutas da Moeda

Sabine fand in der Nähe die Grutas da Moeda bei São Mamede. Entdeckt wurden die Tropfsteinhöhlen erst 1971, angeblich von zwei Jägern, die einem Fuchs bis zu einem Felsspalt folgten. Heute führt ein rund 350 Meter langer Rundgang bis etwa 45 Meter unter den Eingang hinab.

Drinnen erwarteten uns Tropfsteine, kleine Seen, verwinkelte Gänge und unterschiedlich beleuchtete Kammern. Nach der Sonne zwischen den Olivenbäumen und dem Vormittag am Rechner war das noch einmal eine völlig andere Welt.

Den Abend verbrachten wir wieder auf der Olivenfarm. Ein Tag, der idyllisch begann, kurz von einem Kundenauftrag beherrscht wurde und tief unter der Erde endete. So schlecht war er am Ende gar nicht – zumindest nachdem Andreas den Rechner zuklappen konnte. Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen, von unseren Freunden und von Portugal.

Die ganze Reise

Unsere Portugalreise im Überblick.

Die vollständige Route vom 10. September bis 1. Oktober 2026 mit allen Reiseabschnitten in Lesereihenfolge.

Die Karten werden von OpenStreetMap bereitgestellt.

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