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Weiße Häuser mit roten Holzbalken im baskischen Ainhoa
Reisebericht · September 2026

Über die baskischen Pyrenäen zum Jakobsweg

Portugal-Roadtrip 2026 · Teil 3

Weiße Häuser mit roten Holzbalken im baskischen Ainhoa
17.09.–18.09.2026Reisezeit
2 TageUnterwegs mit Henry
Andreas & SabineMit Kalle

Von der vollen Atlantikküste führt uns der Weg ins baskische Landesinnere: über Ainhoa und zwei Pyrenäenpässe bis nach Saint-Jean-Pied-de-Port, wo wir ganz ungeplant mitten im Leben am Jakobsweg landen.

17.–18. September 2026

Von der Atlantikküste in die baskischen Berge

Nach einigen Tagen an der vollen baskischen Atlantikküste sehnten wir uns nach Ruhe, Weite und einer Straße, auf der nicht hinter jeder Kurve der nächste Ferienort wartete. Der Weg ins Landesinnere wurde deshalb mehr als nur eine Verbindungsetappe: Er veränderte die Stimmung unserer Reise.

Statt weiter der Küste zu folgen, steuerten wir Henry in Richtung Pyrenäen. Weiße Häuser mit dunkelrotem Fachwerk, grüne Hänge und schmale Straßen lösten Strandpromenaden und Campingplatztrubel ab. Genau diesen Kontrast hatten wir gebraucht.

Ainhoa: Ein Umweg, der sich gelohnt hat

Ainhoa war zunächst gar nicht als längerer Stopp geplant. Das kleine baskische Dorf lag plötzlich vor uns – auffallend geschlossen, ruhig und mit den typischen weißen Häusern, roten Fensterläden und Holzbalken. Schon nach wenigen Minuten war klar, dass sich das Anhalten lohnte.

Aus einer Kaffeepause wurde allerdings erst einmal ein Arbeitseinsatz. Ein Kunde benötigte kurzfristig eine Anzeige, also verwandelte sich Henry für eine Weile in ein mobiles Büro. Während Andreas am Rechner saß, nutzte Sabine die Pause für einen Spaziergang auf einem Abschnitt des Jakobswegs.

Dieser erste Kontakt mit dem Camino wirkte zu diesem Zeitpunkt noch wie eine kleine Randnotiz. Einen Tag später sollte der Jakobsweg zum eigentlichen Thema unserer Etappe werden.

Über Col d’Otxondo und Col d’Ispéguy

Hinter Ainhoa führte unsere Route über den Col d’Otxondo und weiter zum Col d’Ispéguy. Die Straße schlängelt sich durch die westlichen Pyrenäen, immer wieder öffnen sich Blicke über grüne Hänge, tiefe Täler und die karge Berglandschaft an der französisch-spanischen Grenze.

Wir hielten mehrfach an, stiegen aus und ließen die Landschaft auf uns wirken. Nach dem Trubel an der Küste tat uns diese Fahrt richtig gut. Nicht möglichst schnell voranzukommen, sondern die Strecke selbst zu genießen – dafür waren wir mit Henry unterwegs.

Saint-Jean-Pied-de-Port: Ankommen zwischen Campern und Pilgern

Saint-Jean-Pied-de-Port empfing uns nicht mit großer Pilgerromantik, sondern zunächst mit einem fast vollen städtischen Campingplatz und einer langen Schlange vor dem kleinen Kassenhäuschen. Die Platzvergabe folgte einem eigenen System: erst eine freie Parzelle suchen, dann bezahlen. Eine Camperin aus Andernach erklärte uns, wie es funktioniert – ausgerechnet hier, Hunderte Kilometer von zu Hause entfernt.

Am Ende bekamen wir zwei kleine nebeneinanderliegende Plätze und standen überraschend zentral. Erst beim Erkunden des Ortes begriffen wir, wo wir gelandet waren: Saint-Jean-Pied-de-Port ist für viele Pilger der Ausgangspunkt des Camino Francés über die Pyrenäen nach Spanien.

Die Zitadelle über den roten Dächern

Vom Campingplatz aus machten wir uns zu Fuß auf den Weg zur Zitadelle. Wir wählten natürlich nicht den bequemen Aufstieg, sondern eine Treppe, die gefühlt kein Ende nahm. Oben entschädigte der Blick für jede einzelne Stufe.

Die Zitadelle liegt rund 80 Meter über dem Ort und bewachte einst den strategisch wichtigen Übergang durch die westlichen Pyrenäen. Heute befindet sich innerhalb der historischen Mauern ein Collège. Eine Schule in einer alten Festung – allein diese Vorstellung macht den Ort besonders.

Unter uns lagen die roten Dächer von Saint-Jean-Pied-de-Port, dahinter die grünen Hügel des französischen Baskenlandes. Von hier oben ließ sich gut erkennen, warum dieser Ort seit Jahrhunderten ein wichtiger Durchgangspunkt ist.

Wo der Jakobsweg plötzlich greifbar wird

Auf dem Weg hinunter kamen wir in die Rue de la Citadelle. Hier war der Camino nicht mehr nur ein Zeichen auf einer Karte. Pilger kontrollierten ihre Rucksäcke, kauften letzte Ausrüstung oder warteten vor dem Pilgerbüro. Einige wirkten erwartungsvoll, andere konzentriert – und manche schon erstaunlich erschöpft, obwohl der Anstieg über die Pyrenäen noch vor ihnen lag.

Der Jakobsweg prägt den Ort sichtbar. Unterkünfte, kleine Restaurants, Läden für Wanderausrüstung und Jakobsmuscheln gehören ebenso zum Straßenbild wie die alten Häuser und Stadttore. Trotzdem wirkte Saint-Jean-Pied-de-Port nicht wie eine künstliche Kulisse. Zwischen Besuchern und Pilgern blieb das Gefühl eines lebendigen baskischen Ortes erhalten.

Genau diese Mischung gefiel uns. Ein bisschen Respekt hatten wir auch: Für viele hier begann ein Weg von rund 800 Kilometern bis Santiago de Compostela, deutlich länger und anstrengender als unser Spaziergang durch die Gassen.

Wandersandalen und eine heimliche Jakobsmuschel

In einem der kleinen Läden fand Andreas ein Paar Wandersandalen, das bequem war, gut aussah und auch noch reduziert angeboten wurde. Damit war die Entscheidung schnell gefallen. Viel wichtiger war allerdings ein zweiter, heimlicher Kauf: eine kleine Jakobsmuschel für Sabine.

Am Abend gingen wir zurück zu Henry und kochten auf dem Campingplatz. Beim Essen bekam Sabine die Muschel als Erinnerung an diesen ungeplanten, besonderen Ort. Sie passte gut zu einer Etappe, die ganz anders geworden war als erwartet.

Aus der Flucht vor einer überfüllten Küste waren zwei Tage zwischen baskischen Dörfern, stillen Bergpässen und Menschen am Beginn ihres Jakobswegs geworden. Saint-Jean-Pied-de-Port gehört seitdem zu den Orten, an die wir von dieser Reise besonders gern zurückdenken.

Reiseeindruck aus Saint-Jean-Pied-de-Port und Jakobsweg am 18.09.2026 – Aufnahme 7
Die ganze Reise

Unsere Portugalreise im Überblick.

Die vollständige Route vom 10. September bis 1. Oktober 2026 mit allen Reiseabschnitten in Lesereihenfolge.

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