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Historische Gasse mit Blick auf die Berge in Vielle-Aure
Reisebericht · September 2026

Ein Papst, zwei Pyrenäenpässe und eine schlaflose Nacht

Portugal-Roadtrip 2026 · Teil 7

Historische Gasse mit Blick auf die Berge in Vielle-Aure
27.09.–28.09.2026Reisezeit
2 TageUnterwegs mit Henry
Andreas & SabineMit Kalle

Eine Straßensperre bei Lourdes wirft unseren Plan über den Haufen. Der Umweg führt uns nach Arreau und am nächsten Tag über Col d’Aspin und Col du Tourmalet doch noch nach Gavarnie – samt tierischem Nachtkonzert.

27.–28. September 2026

Eigentlich wollten wir auf direktem Weg nach Gavarnie. Eine Polizeisperre vor Lourdes machte den Plan zunichte – und schenkte uns dafür Arreau, zwei der berühmtesten Pyrenäenpässe, einen Café au Lait auf 2.115 Metern und eine Nacht, in der Schafe, Esel und Gänse gemeinsam für sehr wenig Schlaf sorgten.

Papst schlägt Gavarnie

Nach dem vollen Zarautz wollten wir am 27. September nicht weiter an der Küste entlang, sondern durch die Pyrenäen zurück. Ziel war Gavarnie mit seinem berühmten Felskessel, der uns als eine der schönsten Landschaften der französischen Pyrenäen empfohlen worden war. Über die Autobahn ging es an Orthez, Artix und Lescar vorbei, dann auf der Landstraße Richtung Lourdes.

Schon auf der Autobahn hatten Schilder vor Sperrungen rund um Lourdes gewarnt. Was das bedeutete, merkten wir hinter Pontacq: eine große Polizeisperre. Als wir nach Englisch fragten, gingen zwei der drei Polizisten neben Henry einfach weiter. Der dritte blieb stehen: „Yes, I speak English.“

Lourdes sei den ganzen Tag gesperrt, erklärte er, wegen eines Papstbesuchs. Auch die Straße, auf der wir standen, würde gleich dichtgemacht. Wir wollten doch gar nicht nach Lourdes, nur hindurch nach Gavarnie, versuchten wir es. Keine Chance: heute nicht und morgen früh wahrscheinlich auch nicht. Also umdrehen, zurück zur Autobahn, neuer Plan. Papst schlägt Gavarnie.

Vielle-Aure und ein Kaffee aus dem Automaten

Über Tarbes ging es ostwärts und dann auf kleinen Straßen durch immer bergigere Täler. Beim Durchfahren von Arreau in der Vallée d’Aure hatten wir sofort das Gefühl, dass uns dieser Ort gefallen könnte. Wir fuhren trotzdem erst einmal weiter, um uns das Tal anzusehen.

In Vielle-Aure, kurz vor Saint-Lary-Soulan, war keine Menschenseele unterwegs. Leere Gassen, ein ganzes Dorf für uns allein. Man merkt, dass hier im Winter die Skisaison den Takt angibt. Uns gefiel die Ruhe.

Der bekannte Skiort Saint-Lary-Soulan dagegen wirkte auf uns künstlich, wie ein für Touristen nachgebautes Bergdorf. Immerhin hatte ein Café geöffnet. Sabine ging Kaffee holen und kam mit zwei Pappbechern und dem Satz zurück: „Ich musste Geld in einen Automaten schmeißen.“ In einem echten Café, mit Kuchen in der Auslage: Automatenkaffee. Eieiei. Saint-Lary-Soulan und wir – das wurde keine große Liebe.

Arreau: endlich wieder ein echter Ort

Am Abend fuhren wir zurück nach Arreau, und das war nun wirklich ein Ort nach unserem Geschmack: gewachsen, mit alten Häusern, einer schönen Kirche und Wasser überall. Hier fließen Neste d’Aure und Neste du Louron zusammen, zahlreiche kleine Brücken verbinden die Ortsteile. Besonders gefiel uns die alte Markthalle im Erdgeschoss des Rathauses, über der die Verwaltung sitzt.

Auf dem Hauptplatz bestellten wir ein rotes Biergetränk, das an den Nachbartischen offenbar beliebt war. Vermutlich ein Monaco: Bier mit Limonade und einem Schuss Grenadine. Süß, rot und ausgesprochen süffig – eindeutig der bessere Abschluss als der Automatenkaffee.

Geschlafen haben wir auf dem offiziellen Wohnmobilstellplatz am Ortsrand. Eigentlich wollten wir nach Gavarnie, stattdessen waren wir am Papst gescheitert und hatten Arreau entdeckt. Manchmal führen gescheiterte Pläne zu den schönsten Orten.

Über den Col d’Aspin

Am 28. September sollte uns die Alternativroute, die ChatGPT vorgeschlagen hatte, über zwei der berühmtesten Pyrenäenpässe nach Gavarnie bringen. Direkt hinter Arreau wurde die Straße schmal und kurvig. Am Bergdorf Aspin-Aure entdeckten wir einen Wasserfall direkt neben der Straße, hielten an und liefen ein Stück am Wasser entlang. Nicht geplant, aber genau solche Stopps machen eine Reise aus.

Mit jedem Höhenmeter wurde der Weg spektakulärer, und wir hielten so oft für Fotos, dass die Zeitangabe des Navis bald nur noch Theorie war. Auf der Passhöhe auf 1.489 Metern empfing uns eine Gruppe Bergkühe. Einige Camper hatten direkt oben übernachtet, worum wir sie ein wenig beneideten. Ob das erlaubt ist, haben wir allerdings nicht geprüft.

Ein Getränkehäuschen, das aussah wie eine Strandbude, hatte am Morgen noch zu. Trotzdem war schon viel los: Autos, Camper, Motorräder und vor allem Radfahrer, die sich am Gipfelschild fotografierten. Dann ein gewaltiger Lärm von der anderen Seite: Motorradpolizisten der Gendarmerie rasten die Passstraße hinauf. Einer hielt oben an, stieg ab, zückte die Kamera und fotografierte die Berge. Auf dem Gipfel sind eben alle gleich.

Col du Tourmalet: 2.115 Meter und ein Café au Lait

Nach der Abfahrt ins Tal begann der deutlich längere Anstieg zum Tourmalet. Unterwegs liegt La Mongie, ein großer Skiort auf der Ostseite des Passes. Ohne Schnee zeigt sich so ein Skigebiet von einer anderen Seite: Lifte, breite Schneisen, Bagger und Baustellen für die nächste Saison. Erst ohne Schneedecke sieht man, wie groß der Eingriff in die Landschaft tatsächlich ist.

Dann standen wir auf dem Col du Tourmalet, 2.115 Meter hoch und einer der großen Mythen der Tour de France. 1910 führte das Rennen zum ersten Mal hier hinüber, und der spätere Gesamtsieger Octave Lapize soll den Organisatoren dabei „Ihr Mörder!“ entgegengerufen haben. Seitdem stand kein Pass häufiger im Programm der Tour.

Die Radfahrer, die es nach oben geschafft hatten, stellten ihre Räder vor das Gipfelschild, von dessen Schriftzug unter all den Aufklebern kaum noch etwas zu sehen war. Daneben erinnern die Statue des „Géant du Tourmalet“ und eine kleine Ausstellung an die Geschichte der Tour. In der Berghütte gönnten wir uns einen Café au Lait mit Blick in beide Täler. So hatten wir uns die Pyrenäen vorgestellt.

Zwischen Bagger und Abgrund

Auch die Abfahrt auf der anderen Seite ist spektakulär. Kurz unangenehm wurde es an einer Baustelle: rechts ein riesiger Bagger, der den Hang befestigte, links der Abgrund, dazwischen gerade genug Platz für Henry. Ein paar Zentimeter auf jeder Seite. Ganz langsam tasteten wir uns vorbei und atmeten danach erst einmal durch.

Gavarnie nach Saisonende

Gegen 19 Uhr erreichten wir Gavarnie. Erst sieht man nur zwei, drei Häuser, dann öffnet sich hinter einer Kurve der Blick auf den Ort und die gewaltige Bergkulisse. Der Ortskern war für Autos gesperrt, die Wohnmobilplätze davor fanden wir wenig einladend. Also erst einmal zu Fuß in den Ort.

Die Saison war wenige Tage zuvor zu Ende gegangen, viele Hotels, Restaurants und Läden hatten schon geschlossen. In den Schaufenstern saßen auffällig viele Stoffmurmeltiere – in den Bergen rund um Gavarnie leben tatsächlich welche.

Und dann lag er vor uns: der Cirque de Gavarnie, ein riesiger, halbkreisförmiger Felskessel wie eine natürliche Arena, daher auch der Name. Seine Wände ragen bis zu 1.500 Meter auf, er gehört zum UNESCO-Welterbe Pyrénées – Mont Perdu, und in seinem Inneren stürzt die Grande Cascade rund 420 Meter in die Tiefe, einer der höchsten Wasserfälle Europas.

Nach zwei Pässen, Bergkühen, fotografierenden Gendarmen, einem Café au Lait auf 2.115 Metern und einer engen Begegnung mit einem Bagger hatten wir unser Ziel doch noch erreicht. Der Umweg hatte sich gelohnt.

Eine Nacht beim tierischen Glockenkonzert

Für die Nacht fuhren wir zum Wohnmobilstellplatz oberhalb des Ortes: zwei große Stellflächen, Ver- und Entsorgung, ein herrlicher Blick auf die Berge. Perfekt für eine ruhige Nacht, dachten wir.

Direkt hinter dem Platz weidete eine große Schafherde, und jedes Schaf trug eine Glocke. Da sich in einer Herde immer irgendein Schaf bewegt, bimmelte es praktisch ohne Pause. Bewacht wurden die Schafe von Eseln und Gänsen, die ihren eigenen Beitrag zum Nachtprogramm leisteten.

Normalerweise lieben wir Naturgeräusche. In dieser Nacht war die Natur allerdings ausgesprochen motiviert. Der Stellplatz war wunderschön, die Nacht dafür unvergesslich.

Die ganze Reise

Unsere Portugalreise im Überblick.

Die vollständige Route vom 10. September bis 1. Oktober 2026 mit allen Reiseabschnitten in Lesereihenfolge.

Die Karten werden von OpenStreetMap bereitgestellt.

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